Die Frage, wo man in Deutschland am besten lebt, ist komplizierter, als man denkt. Eine neue Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) stellt München, landläufig als Standard für Lebensqualität bekannt, als die unattraktivste Metropolregion Deutschlands dar. Diese Erkenntnis könnte viele überraschen, denn die Stadt selbst genießt einen hervorragenden Ruf. Aber was genau steckt hinter diesem Widerspruch? Die Studie bewertet nicht nur die Stadt München, sondern die gesamte Metropolregion, die mehr als sechs Millionen Menschen umfasst und sich von Eichstätt bis zur Zugspitze erstreckt.
Besonders auffällig sind die hohen Immobilienpreise, die weit über dem bundesweiten Durchschnitt liegen. Viele Menschen ziehen aus der Stadt ins Umland, was die Mietpreise dort ebenfalls in die Höhe treibt. Das erschwert es insbesondere jungen Familien und berufstätigen Pendlern, ein Zuhause zu finden, ohne finanziell zu überlasten. Auch die Verkehrsinfrastruktur lässt zu wünschen übrig: Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Wege zu Bildungseinrichtungen, ärztlicher Versorgung und Freizeitmöglichkeiten lang und zeitraubend.
Warum München als unattraktiv gilt
In der IW-Studie werden 23 verschiedene Kriterien aus den Bereichen Familie, Wohnraum, Freizeit und Kultur untersucht. Munchen schneidet insbesondere im Wohnbereich schlecht ab – keine andere Metropolregion hat so hohe Immobilienpreise. Bewohner müssen oft lange Wege in Kauf nehmen, um die nächsten Sport- oder Freizeitangebote zu erreichen, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Im Ruhrgebiet hingegen liegt der Fokus auf kurzen Wegen und einem breiten Angebot an Freizeitmöglichkeiten, was sich positiv auf die Lebensqualität auswirkt.
Vergleich mit anderen Metropolregionen
Für viele überrascht es, dass beispielsweise das Ruhrgebiet als die lebenswerteste Metropolregion Deutschlands anerkannt wird. Trotz weniger landschaftlicher Schönheit punkten diese Regionen mit ihrem gut ausgebauten Verkehrsnetz und bezahlbaren Wohnraum. Innerhalb der Münchener Metropolregion zeigt sich ein starkes Gefälle: Je weiter man sich von der Stadt entfernt, desto weniger profitiert man von den wirtschaftlichen Vorteilen. Entscheidungen zur Verbesserung des Wohnungsangebots und zur Entbürokratisierung des Bauwesens sind dringender denn je.
Die Rolle der Infrastruktur
Die Infrastruktur ist ein entscheidender Punkt im Wettbewerbsvergleich zwischen Metropolregionen. Während die innerstädtischen Gebiete von München hoch entwickelt sind, bleibt die Anbindung des Umlandes oft unzureichend. Beispielsweise beträgt die durchschnittliche Distanz zur nächsten Haltestelle des öffentlichen Verkehrs mehr als 600 Meter. In der beliebten Rhein-Neckar-Region hingegen sind es nur etwa 250 Meter. Diese Distanz spielt eine massive Rolle für die Lebensqualität und die Möglichkeit, den Arbeitsweg effizient zu gestalten.
Wie kann die Metropolregion München attraktiver werden?
Um die Metropolregion München wieder attraktiver zu machen, sind umfassende Maßnahmen nötig. Dazu gehören der Ausbau des öffentliches Verkehrsnetzes und der Bau von erschwinglichem Wohnraum. Maren Kowitz, Pressesprecherin der Stadt, betont, dass es zahlreiche laufende Projekte gibt, die darauf abzielen, diese Herausforderungen zu meistern. Fördermittel für bezahlbaren Wohnraum müssen erhöht und bürokratische Hürden abgebaut werden, um die Baukosten zu senken und die Entwicklung der Region voranzutreiben.