In der aktuellen Diskussion über die Hospizversorgung in Deutschland wird ein alarmierendes Phänomen sichtbar: junge Erwachsene, die an lebensverkürzenden Erkrankungen leiden, stehen häufig ohne angemessene Unterstützung da. Diese Gruppe ist in der Regel zu alt für die Kindehospizarbeit, die bis zum Alter von 27 Jahren reicht, und gleichzeitig zu jung, um die Angebote für sterbende Erwachsene zu nutzen. Diese Versorgungslücke führt zu einem Gefühl der Isolation. Viele dieser jungen Menschen haben den Wunsch zu leben, zu lernen und ihre eigenen Lebensräume zu gestalten, straucheln jedoch oft alleine mit ihrer Krankheit und den damit verbundenen Herausforderungen.
Fachleute, wie Nils Groß von der Björn Schulz Stiftung, betonen die Notwendigkeit spezialisierter palliativmedizinischer Versorgung, die auf die Bedürfnisse junger Erwachsener zugeschnitten ist. Während in vielen Städten bestehende SAPV-Teams (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) für Erwachsene vorhanden sind, mangelt es an Expertise für die speziellen Krankheitsbilder, die häufig bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftreten, wie neuromuskuläre oder neurodegenerative Erkrankungen. Diese Lücke bedeutet, dass viele Betroffene in ihrer emotionale Unterstützung und psychosozialen Hilfe allein gelassen werden.
Die Herausforderungen der Hospizversorgung für junge Erwachsene
Die Herausforderungen im Hospizwesen sind vielfältig. Während Kinderhospize oft eine umfangreiche Betreuung bieten, fehlt vielen jungen Erwachsenen die Möglichkeit auf individuelle Begleitung, weil sie durch ihre Erkrankung nicht im klassischen Sinne ’sterbenskrank‘ sind. Dies ändert sich jedoch nicht an ihren emotionalen und psychologischen Bedürfnissen. Auch sie benötigen eine Sterbebegleitung, die ihre Lebensqualität während der Krankheitsphase berücksichtigt und erhält.
In Berlin leben Schätzungen zufolge etwa 10.000 bis 11.000 junge Menschen mit schweren Erkrankungen, was die Dringlichkeit verdeutlicht, geeignete Lösungen zu finden. Aktionen wie der Tag der Kinderhospizarbeit am 10. Februar können helfen, auf diese Problematik aufmerksam zu machen und den Austausch zu fördern.
Perspektiven und Lösungen für bessere Unterstützung
Um der aktuellen Versorgungslücke zu begegnen, sind vor allem Anpassungen in der ambulanten Begleitung erforderlich. Eine echte Lösung könnte die Einführung spezieller SAPV-Teams sein, die auf die Bedürfnisse dieser Altersgruppe eingehen und sowohl pflegerische als auch medizinische Unterstützung zu Hause anbieten können. Solche angepassten Dienstleistungen könnten es jungen Erwachsenen ermöglichen, in ihrem gewohnten Umfeld zu leben, während sie gleichzeitig die nötige Hilfe erhalten.
Die emotionale Unterstützung und psychosoziale Hilfe sind für viele sogar entscheidender als die rein medizinische Versorgung. Ein individueller Ansatz, der die Wünsche und Lebensumstände der Betroffenen in den Mittelpunkt stellt, könnte diesen jungen Menschen neues Lebensgefühl vermitteln.
Die Rolle der Gemeinschaft
Eine starke Gemeinschaft, sei es durch Angehörige, Freunde oder Fachkräfte, kann das Gefühl der Isolation mindern. Initiativen, die auf den Austausch von Erfahrungen setzen, bieten nicht nur eine Plattform für Betroffene, sondern fördern auch ein Bewusstsein für die Herausforderungen, die junge Erwachsene im Hospizwesen erleben. Aktive Unterstützung und ein offenes Ohr könnten einen großen Unterschied im Leben vieler betroffener Jugendlicher ausmachen.